In der dritten Gruppe (Tabelle
) finden sich die von den
Experten unvohergesehenen Probleme. Von EVADIS II wurden diese
Probleme aus den schon im vorhergehenden Abschnitt genannten Gründen
nicht berührt (zu allgemein) und bei der Evaluation nach den
Heuristiken von Nielsen ([Nielsen 93] S.30f) wurden sie schlicht
übersehen.
Für das Beispiel der ,,Speichern als...`` Problematik kann ich das rekonstruieren: Jeder der Evaluatoren hatte die Funktion genau einmal benutzt und dabei auf die Gestaltung des Dialoges und auf evtuelle Abstürze geachtet. Als dies keinen Grund zur Beanstandung gab, achtete niemand mehr darauf, daß sich dieser Dialogschritt auch erwartungskonform verhält und der Schichtplan auch umbenannt wird.
Auch für die beiden anderen Probleme wird schnell klar, warum sie von den Experten übersehen wurden: Das Problem der herausrutschenden Maus und einer dadurch erfolgenden Defokussierung des Eingabefeldes trat nicht auf, weil die Evaluatoren viel zu vorsichtig mit dem Programm (und eben auch der Peripherie) umgingen, als daß die Maus eine ,,unbeaufsichtigte`` Bewegung hätte machen können. Dieser Umsicht ist dann auch zuzuschreiben, daß kein Evaluator vergaß ein Kriterium anzuwählen.
Daraus läßt sich zwar nicht ableiten, daß solche Probleme prinzipiell von Experten übersehen werden, aber es ist ein Indiz dafür, daß Probleme übersehen werden.
Bei genauerer Betrachtung stellt man schnell fest, daß die im Experiment als ,,schwer`` bewerteten Probleme wirklich einer Lösung bedürfen, da sie die Aufgabenlösung zum Teil entscheidend behindert haben. Dies ist ein Indiz dafür, daß zumindest in diesem Fallbeispiel, die experimentelle Methode wichtige wenn nicht sogar unverzichtbare Hinweise gegeben hat.
Die von Dzida ([Dzida 97]) geäußerte Befürchtung, daß eventuell die schlimmsten 25% der Probleme durch Heuristik übersehen werden, bewahrheitet sich für dieses Fallbeispiel, denn die ,,Speichern als...`` Problematik hatte in den Versuchen als einziges Problem zu erheblichen Datenverlusten geführt und ist somit wohl als das schwerste Gebrauchstauglichkeitsproblem anzusehen.