Ziel des Experiments war unter anderem die Herausarbeitung bestehender Gebrauchstauglichkeitsprobleme in diesem Programmteil. Dazu bin ich nun die verschiedenen Protokolle der Aufgabenlösung durchgegangen und habe versucht, daraus Gebrauchstauglichkeitsprobleme abzuleiten. Zusätzlich habe ich noch die Nachbesprechung ,,Was hat sie an dem Programm gestört? `` und die Bewertung der ausgewählten Probleme aus der heuristischen Evaluation miteinbezogen. Die Darstellung ist wie folgt:
Problem: (Gewicht) Kurzbeschreibung des Problems [ Kürzel der
Versuchspersonen (Zahl=Nummer im Protokoll, N=Nachbesprechung, H=Heuristik)]
Erläuterungstext
Nicht alle Punkte aus den Protokollen deuteten automatisch auf ein Gebrauchstauglichkeitsproblem hin. Manche bezogen sich auf allgemeine Probleme mit Schichtplanthematik, andere auf die Struktur von BASS II als Ganzes. Solche Punkte wurden hier nicht weiter berücksichtigt. Die Auswahl, ob ein Punkt nun zu einer zu berücksichtigen Kategorie gehörte oder nicht, muß der Evaluator vor dem Hintergrund seiner Programm- und seiner Benutzerkenntnis fällen.
Die Reihenfolge der Probleme ist nicht gleichzusetzen mit einer
Gewichtung, sondern hat sich aus der sequentiellen Abarbeitung der
Versuchspersonen und der Punkte ergeben. Eine Gewichtung erfolgte je
nach Schwere der Störung der Aufgabenlösung (siehe Tabelle
).
| Gewicht | Begründung |
| fatal | Die Aufgabenlösung wurde verhindert. |
| schwer | Es kam zu einem falschen Ergebnis. |
| mittel | Es kam zu einer Verzögerung, aber es wurde selbstständig eine Lösung gefunden |
| leicht | Es kam nur zu einer leichten Verzögerung. |
Problem: (mittel) Trennung
von Schichtbedarf und Schichtplan [ N1(2,8,36), E1(1),
E2(5), E3(1,N))]
Es kam immer wieder zu Verwechselungen zwischen Schichtplan und Schichtbedarf. Die Darstellung der Schichtverteilungen in beiden Fenstern ist identisch, wohingegen die restlichen Elemente größtenteils verschieden sind. Zum Beispiel gibt es im Schichtbedarfsfenster eine Auswahlliste der definierten Schichten, welches im Plan fehlt. Offenbar verwechseln auch die erfahrerenen Benutzerinnen diese beiden Bearbeitungsschritte.
Daß das Problem bei N2 nicht auftrat, ist darauf zurückzuführen, daß N2 den Schichtbedarf nicht näher gesehen hatte, wohingegen N1 ausdrücklich danach gefragt hatte.
Dieses Problem liegt allerdings eher im Bereich der
Aufgabenanalyse. Dort hätte bereits festgestellt werden können, daß
die strikte Trennung von Bedarf und eigentlichem Plan unter Umständen
unnötig kompliziert ist. E3 hatte dies dann einerseits auch bemängelt
und andererseits in der Nachbesprechung ausdrücklich gesagt, daß es
eine solche Trennung geben müsse. Hier müßte eine weitere
gründlichere Aufgabenanalyse Klarheit verschaffen.
Trotzdem ist die Erkennbarkeit von Schichtplänen im Gegensatz von Schichtbedarfsrastern ein mittleres Usability-Problem, da es zu Verzögerungen bei der Bedienung führte.
Problem: (leicht) Vertauschung von Schichten bei Drag&Drop nicht
erkannt [ N1(6,13), N2(6)]
N1 erkannte nicht sofort das Vertauschen der Schichten. N2 war sich unsicher, ob die Schichten so nicht verdoppelt würden. Beide fanden es aber innerhalb kurzer Zeit heraus und machten es dann fortan auch richtig. Die erfahrenen Benutzerinnen hatten es auch nach längerer Nichtbenutzung des Programmes nicht vergessen.
Dadurch ergibt sich die Gewichtung als ,,leichtes`` Problem, wenn überhaupt. Der Verschiebemechanismus an sich (Drag&Drop) wurde von allen Versuchspersonen sofort gesehen und genutzt. Selbst die ungeübten Benutzer hatten damit keine Startschwierigkeiten (N1(9,10), N2(6)).
Problem: (schwer) Aussageschwache Bezeichnungen im Menü
,,Kriterien`` [ N1(7,21,23), E1(20),E2(7),E3(H),N2(3,4,17,20,23,H)]
Bei allen Benutzern kam es durch dieses Problem zu Verzögerungen und sogar manchmal zu Fehlern, selbst bei den erfahrenen Benutzerinnen.
Problem: (schwer) Fehlende Legende [ N1(14,28), E1(6,7,19,H), E2(8,9,10,20,24,H),
E3(3,H), N2(5,H)]
Auch wenn in der Besprechung der Heuristikergebnisse alle Benutzer die Notwendigkeit einer solchen Erläuterung der gerade dargestellten Kriterien nicht sahen, kam es immer wieder zu Fehlinterpretationen, selbst bei den erfahrenen Benutzerinnen. Das als Legende nutzbare Fenster ,,Bewertung`` kann diesen Zweck offensichtlich nicht vollständig erfüllen, da es bei größeren Plänen schnell überdeckt wird und auch nur die Farben, nicht aber die Art der Darstellung (Balken, Kasten oder Zahl) angibt. Außerdem kam es auch zu Unklarheiten bezüglich der gerade gültigen Parameter.
Dieses Problem müßte zusammen mit dem vorherigen betrachtet werden, denn eine Legende muß dann natürlich auch aussagekräftige Bezeichner haben, die konsistent zum Restprogramm sein müssen und andererseits kurz genug, um sie gleichzeitig mit dem Plan darzustellen. Insgesamt ist die Darstellung von Kriterien im Plan durch farbige Markierungen an sich allen Versuchspersonen sofort klar gewesen.
Wirklich schwer wird dieses Problem allerdings dadurch, daß die Unklarheiten über die aktuellen Parameter zu falschen Ergebnissen führen können. Ob diese unbedingt in einer Legende dargestellt werden müßten, wäre nocheinmal kritisch zu betrachten.
Problem: (leicht) Kommentarfeld wird nicht als solches
erkannt [ N1(15,31),E1(11,N), E2(12), E3(6), N2(12)]
Zwar wird das Kommentarfeld von keinem als solches ohne Hinweis
erkannt, doch andererseits bedeutet dies nur den Verzicht auf ein
,,Feature`` des Programmes, das selbst den an der Entwicklung
Beteiligten unbekannt war.
Problem: (fatal) ,,Speichern als...`` verhält sich unerwartet [ N1(16),
E1(12,15,21,N), E2(27), E3(7,13,N), N2(13)]
Das Verhalten des Menüpunktes ,,Speichern als...`` führte entweder zu
Datenverlusten, wenn die Benutzer annahmen, sie würden nun in dem
neuen Plan arbeiten und dabei in Wirklichkeit den alten überschrieben,
oder zu Umwegen (E3) bei der Bedienung
.
Problem: (mittel) Kriterien müssen jedes Mal nach einem Programmstart
für jeden Plan im Pulldownmenü ,,Kriterien`` neu angewählt
werden [ N1(19,H), E2(14), E3(N)]
Dies führt natürlich zu Verzögerungen. Außerdem steigt das
Fehlerrisiko, ein wichtiges Kriterium unter Umständen zu
vergessen. (siehe auch Problem
)
Problem: (schwer) Umweg bei der Kriteriendarstellung ,,Anwählen`` dann
,,Definieren`` und dann ,,Aktivieren`` [ N1(25,26,27,H), E1(16,H),
E2(N,H), E3(N,H), N2(25,N,H)]
Der Umweg, ein Kriterium zunächst in die Liste der
möglicherweise zu bewertenden Kriterien einzutragen, es dann mit
einem gültigen Parameter zu versehen und dann auch noch einmal extra
aktivieren zu müssen, damit es auch tatsächlich angezeigt wird, führte
zu Fehlern und Beschwerden in der Nachbesprechung. Vor allem steigt
auch hier das Fehlerrisiko, einen dieser Schritte falsch oder gar
nicht auszuführen. (siehe auch Problem
)
Problem: (schwer) Parametereingaben [ N1(25,29,35,H), E1(13,18,H),
E2(13,15,16,18,25,N), E3(10,H), N2(9,10,16,18,27,N)]
Die Eingabe von Parametern zu den Kriterien wies mehrere
Schwierigkeiten auf: Zum einen war unklar, wann denn nun die
Parametereingabe abgschlossen sei und auch erfahrene Benutzerinnen
beendet die Parametereingabe (hier überflüssigerweise) wohl
gewohnheitsmäßig mit [Return]. Zum anderen wurde es von allen
Benutzern als lästig empfunden, daß die Eingaben ignoriert wurden,
sobald der Mauszeiger, zum Beispiel durch Erschütterungen des Tisches durch
das Eintippen, das Fenster verließ. Dieses Verhalten führte bei allen
Benutzern zu Verzögerungen und die meisten beschwerten sich auch
ausdrücklich.
Ein weiteres Problem stellte eine Unsicherheit über die gerade
gültigen Parameter dar. Manche Benutzer bemerkten gar nicht, daß
andere als die gewünschten Parameter aktuell waren. Dieses habe ich
allerdings dem Problem
zugeordnet, da eine
Legende auch Informationen über die zur Zeit aktuellen Parameter geben
sollte.
Problem: (schwer) Aktivierung von Kriterien [ N1(25,27,H), E1(3,14,17),
E2(5,6,19),N2(1,25,26)]
Es kam zwar nur gelegentlich vor, daß Benutzer vergaßen, ein angewähltes Kriterium auch zu aktivieren, doch dann wurde dies auch nicht mehr entdeckt. Dadurch könnte es zu Fehlern bei der Planoptimierung kommen. In den Fallbeispielen wurde dies durch die teilweise Redundanz von Kriterien meist vermieden.
Dieses Problem muß dann auch im Zusammenhang mit der fehlenden Übersicht über die zur Zeit aktuellen Parameter und dargestellten Kriterien gesehen werden. Eine Neugestaltung eines Teils der Kriterienauswahl würde alle diese Probleme betreffen.
Problem: (leicht) ,,Abreißmenü`` (siehe Anhang
)
nicht erkannt [ N1(20),E1(2,H)]
Neue Benutzer kannten die Bedienung eines Abreißmenüs nicht und auch die erfahrenen Benutzerinnen hatten in Vorversuchen ab und zu vergessen, wie man das Pull-Down-Menü in ein Fenster umwandelt.
Dies führt zwar zu Verzögerungen und somit zu einer etwas herabgesetzten Effizienz, doch nicht zu Fehlern oder ähnlichem.
Problem: (leicht) Dateihierarchie beim Speichern nicht
erkannt [ N1(32), E1(N), E2(22), E3(8)]
Die meisten Benutzer erkannten nicht, daß jeder Schichtbedarf ein
eigenes Datenverzeichnis hatte und somit die Namen nur innerhalb eines
Schichtbedarfs unterschiedlich sein müssen. Stattdessen gaben sie sich
Mühe, jedesmal eigene Namen zu vergeben (,,Plan``, ,,Plan2``), auch
wenn es sich um verschiedene Schichtpläne handelte.

Abbildung: Dialog zu ,,Speichern als...``
In Abbildung
wird der Grund für diese Annahme
deutlich. Die Hierarchie ist nicht abgebildt, selbst der Name des
Schichtbedarfes ist nicht noch einmal angegeben. Da ist das Verhalten
der Benutzer nur richtig gewesen.
Dieses Problem führt auf Dauer aber nur zu Verzögerungen, denn die Benutzer müssen sich immer wieder neue Namen ausdenken.
Problem: (schwer) Erkennbarkeit der Farben [ N1(30,N,H), E1(N,H),
E2(23,H), E3(H), N3(H)]
Die Gewichtung dieses Problems war etwas schwierig. Zum einen kann das
Übersehen einer Farbe zu einem suboptimalen Plan führen, zum anderen
kam dieser Fall nur ein einziges Mal wirklich vor. Hier fehlt die
statistische Auswertung größerer Versuchsreihen, um zu einem
endgültigen Ergebnis zu kommen. Die Einordnung als ,,schwer`` erfolgte
letztlich aufgrund der in Tabelle
, ist aber
diskussionswürdig.
Problem: (mittel) Fehlermeldungen [ E2(15), E3(N), N2(19)]
Die Fehlermeldung ,,Falsches Zeitformat``, die sich so penetrant in
den Vordergrund drängt, auch wenn das fehlerverursachende Fenster
teilweise überdeckt ist, hatte selbst bei der erfahrensten Benutzerin
Irritation hervorgerufen. Die Tcl-Fehlermeldung bei N2(19) hatte nur
in eine Sackgasse geführt, der Anwender wußte nicht mehr weiter.
Abgemildert wird die Schwere dieses Problems durch die Tatsache, daß der Benutzer nicht direkt zu einem falschen Ergebnis gelangt. Probiert er zum Beispiel alle drei Möglichkeiten des Tcl-Fehlerdialogs aus, so hat er bei [OK] oder [Skip messages] keine weiteren Auswirkungen. [Stack Trace] erzeugt zwar einen für den Benutzer unlesbaren Textdump, ist aber nicht weiter gefährlich für die Daten.